Neutrinojagd und Currywurst am Südpol
Ruhrgebietsphysiker Dr. Jens Dreyer ist zurück von seiner Antarktisüberwinterung

Der Winter im Forschungscamp Amundsen Scott in der Antarktis neigt sich dem Ende zu und auch für Jens Dreyer heißt es Abschied nehmen – 13 Monate am südlichsten Punkt der Erde liegen hinter ihm. In dieser Zeit half der Physiker aus dem Ruhrgebiet als Winter-Over, das größte Neutrino-Teleskop der Welt IceCube zu komplettieren. Gestern landete Dreyer nach einem Jahr Südpolaufenthalt wieder in Deutschland.

Die Antarktis ist der windigste, kälteste, trockenste und isolierteste Kontinent auf diesem Planeten. Acht Monate lebte Dr. Dreyer mit 48 anderen Menschen völlig von der Außenwelt abgeschottet am Südpol. Neben der Isolation zieht der Winter auch drei Monate komplette Finsternis mit sich. Licht ins Dunkle bringt die Natur selbst, denn im Theater der Natur betreten spektakuläre Lichtinstallationen die Bühne: „Man hat ja die Sterne und die Auroras und auch den sogenannten Airglow – das ist ein Nachthimmelleuchten, ähnlich wie die Auroras, aber durch UV-Licht erzeugt. Es ist also nicht total dunkel“, erklärt Dreyer. Die Auroras faszinierten ihn besonders: "Leider kann man sie nicht so gut auf Fotos festhalten" und er fügt hinzu: "Es sieht dann aus wie Feuer am Himmel.“


Arbeiten auf dem weißen Kontinent
Bereits seit 2004 beschäftigt sich Dreyer mit IceCube. Vor zwei Jahren promovierte er über das Forschungsprojekt an der Technischen Universität Dortmund (ExperimentalphysikVb) bei Prof. Wolfgang Rhode. Anschließend bearbeitete und analysierte er in der Arbeitsgruppe von Prof. Julia Becker (Theoretische Physik IV der Ruhr-Universität Bochum) Daten von IceCube. Vor Ort betreute er zusammen mit einer Kollegin aus Belgien den IceCube Detektor. „Dazu gehörte in erster Linie die Überwachung der Hardware- und Softwaresysteme. Wenn etwas nicht mehr lief, haben wir es repariert, sei es durch Neustart von Softwarekomponenten, Aus- und wieder Einschalten von Hardware oder eben Tausch von Komponenten“, veranschaulicht Dreyer sein Aufgabenfeld am größten Neutrinoexperiment der Welt.

Faszination IceCube
Das Großteleskop IceCube detektiert hochenergetische Neutrinos. Neutrinos sind kosmische Langstrecken-Läufer: Botschafter aus den Tiefen des Alls, von deren Analyse sich Physikerinnen und Physiker neue Erkenntnisse über Aufbau, Entstehung und Schicksal des Universums versprechen. Da die mysteriösen Geisterteilchen kaum mit Materie reagieren, sind sie schwer zu fassen. Das Projekt „IceCube“ am Südpol setzt dabei völlig neue Maßstäbe. Im kristallklaren Eis kann man die schwachen Lichtblitze, die bei Neutrinoreaktionen erzeugt werden, noch bis zu Distanzen von hundert Metern nachweisen. Nach über fünf Jahren Bauzeit ist der Detektor im Dezember letzten Jahres fertig gestellt worden. Insgesamt soll das Experiment mindestens zehn Jahre laufen. „Aus den Daten des kompletten Detektors gibt es noch keine veröffentlichten Ergebnisse – die werden gerade analysiert“, erläutert Dreyer.


Freizeit und Gaumenfreuden im ewigen Eis
Turnhalle, Video- und Bibliothek, Sauna und sogar ein Gewächshaus sorgten neben der Arbeit für Entspannung und Ausgleich bei den Südpol-Überwinterern. Auch für das kulinarische Wohl war stets gesorgt: „Natürlich gab es keine frischen Zutaten, aber vieles wird durch’s Einfrieren auch nicht schlechter. Sonntags hatten die Köche frei, dann haben öfters andere Leute gekocht. Ich habe dann auch schon mal Currywurst für alle gemacht. Das kam sehr gut an – viele kannten das noch nicht“, erzählt Dreyer.

Angeklickt:
Dr. Jens Dreyers Blogg: hunnenhorst.wordpress.com
Jun.-Prof. Julia Becker, Ruhr-Universität Bochum:  www.tp4.rub.de/hat/
Prof. Wolfgang Rhode Arbeitsgruppe:
www. app.tu-dortmund.de/
IceCube:
www.icecube.wisc.edu/

Weitere Informationen:
Janine Bruder, Öffentlichkeitsarbeit und Marketing der Fakultät für Physik und Astronomie der RUB, Tel. 0234/32-27312