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Aus dem Bereich Physik und Astronomie

Die Fakultät trauert um Nobelpreisträger Prof. Dr. Peter Grünberg


Die Fakultät für Physik und Astronomie der Ruhr-Universität Bochum trauert um ihren Eherendoktor. Prof. Dr. Peter Grünberg starb in der vergangenen Woche im Alter von 78 Jahren in Jülich. Die Fakultät wird ihn stets in ehrenvoller Erinnerung behalten.

Nach der Verleihung der Ehrendoktorwürde im Beckmanns Hof, Februar 2002. Von links: Richard Wagner (damals Direktor am FZJ), Peter Grünberg, Ralf-Jürgen Dettmar (damals Dekan), Hartmut Zabel. © Fakultät für Physik und Astronomie

Der Physik-Nobelpreisträger und Ehrendoktor unserer Fakultät Peter Grünberg ist vorige Woche im Alter von 78 Jahren in Jülich gestorben. Wir trauern um einen hervorragenden Physiker und lieben Kollegen.

Peter Grünberg studierte Physik in Frankfurt und Darmstadt und promovierte 1969. Danach forschte er für drei Jahre als Postdoktorand in Kanada auf dem Gebiet der Ramanstreuung. Dies waren entscheidende Lehrjahre, denn mit Hilfe der Ramanstreuung konnte er später den Nachweis über die Existenz einer Zwischenschicht-Austauschkopplung in Fe/Au/Fe und Fe/Cr/Fe – Dreilagensystemen durchführen. Diese Austauschkopplung war wiederum die Voraussetzung für die im Jahr 1988 publizierte Entdeckung des Riesenmagnetwiderstands (Giant Magnetoresistance – GMR). Grünberg und seine Mitarbeiter stellten an einem Fe/Cr/Fe-Dreilagensystem eine ca. 10% - ige Widerstandsänderung fest, wenn die magnetischen Momente der Fe-Lagen von der antiparallelen Konfiguration – aufgrund von Austauschkopplung - in die parallele Konfiguration mit Hilfe eines Magnetfelds überführt wurden. Ähnliche Experimente betrieb gleichzeitig und unabhängig Albert Fert in Paris. Grünberg erkannte jedoch sofort die enorme technologische Bedeutung des GMR-Effektes und meldete ein Patent an, das zum „Schlüsselpatent der Magnetoelektronik“ (FZ-Jülich) wurde. Fert und Grünberg erhielten für ihre Entdeckungen zu gleichen Teilen den Physik-Nobelpreis 2007.

Schon vorher wurde Peter Grünberg mit zahlreichen Ehrungen ausgezeichnet. 1989 erhielt er den Zukunftspreis des Bundespräsidenten, 2006 den Erfinderpreis der EU, 2007 die Stern-Gerlach-Medaille der DPG, den Japan-Prize for Science and Technology und den Wolf-Foundation-Prize, beide ebenfalls 2007. Dazu kam die Verleihung einer Reihe von Ehrendoktorwürden, die erste von der Fakultät für Physik und Astronomie der Ruhr-Universität Bochum im Jahre 2002, gefolgt von RWTH Aachen, Köln, Saarbrücken, Athen, Sendai sowie das Gebze Institute of Technology in Istanbul.

In den letzten Jahren unternahm Peter Grünberg zahlreiche Vortragsreisen und unterstützte Labors für die weitere Forschung auf dem Gebiet der Spintronik. Nach seinem Namen sind Institute an den Universitäten GIST in Gwangju (Süd Korea) und Nanjing (China) benannt sowie das gleichnamige Institut am Forschungszentrum Jülich.  

Peter Grünberg war mit der Fakultät für Physik und Astronomie der RUB in besonderem Maße verbunden. Zahlreiche gemeinsame Publikationen sind am Lehrstuhl für Festkörperphysik unter Leitung von Prof. Dr. Hartmut Zabel entstanden, vorwiegend zum Thema Austauschwechselwirkung in Fe/Cr Multilagen.

Peter Grünberg als visionärer Wissenschaftler, Kollege und Freund wird uns fehlen. Sein Werk und sein Andenken bleiben uns erhalten.

Hier finden Sie eine Pressemitteilung des Forschungszentrums Jülich. Einen Artikel der Aachener Zeitung online können Sie hier einsehen.

Mitteilung vom 13.04.2018