Fakultät für Physik und Astronomie

Polarlichter über Deutschland: Ein seltenes Naturschauspiel erklärt

22.01.26 | Forschung, Instagram, Transfer

Diese Woche sorgte der Himmel über Deutschland für ein seltenes Lichtschauspiel: Selbst im Ruhrgebiet waren Polarlichter zu sehen. Dominik Bomans ist Professor für Astronomie und erklärt im Interview, warum wir Polarlichter derzeit so intensiv am Himmel bewundern können.

Portrait von Dominik Bomans, ein Herr im braun-karierten Sacko mit eingestecktem Tuch, Brille und Schnauzbart

Prof. Dominik Bomans, © Fakultät für Physik und Astronomie, Bösel

Was sind eigentlich Polarlichter?

Bomans: Polarlichter, auch bekannt als Aurora Borealis im Norden und Aurora Australis im Süden, sind natürliche Lichtphänomene, die in der oberen Atmosphäre der Erde auftreten. Sie entstehen, wenn geladene Teilchen, hauptsächlich Elektronen und Protonen, von der Sonne ausgestoßen werden und auf das Erdmagnetfeld treffen. Diese Teilchen werden entlang der Magnetfeldlinien zu den Polen gelenkt, wo sie mit den Gasen in der Erdatmosphäre kollidieren und dabei Energie abgeben, die als Licht sichtbar wird.

Warum hat man diese Woche Polarlichter selbst bei uns im Ruhrgebiet so gut sehen können?

Bomans: Aktuell erleben wir eine Phase starker Sonnenaktivität. Deshalb gibt es häufiger und intensivere Sonnenstürme, bei denen große Mengen geladener Teilchen ausgestoßen werden. Das heißt auch, dass mehr Teilchen Richtung Erde strömen, vom Magnetfeld zu den Polen gelenkt werden, den Atmosphärengasen und Polarlichter erzeugen. In besonders aktiven Phasen können diese Lichter auch in tieferen Breitengraden, wie zum Beispiel in Deutschland, sichtbar sein.

Wie genau entstehen Polarlichter durch diese geladenen Teilchen?

Bomans: Wenn die geladenen Teilchen mit hoher Energie in die Erdatmosphäre eindringen, ionisieren sie die Gase dort. Das bedeutet, sie reißen Elektronen aus den Atomen und Molekülen heraus. Wenn diese Elektronen wieder mit den Atomen und Molekülen rekombinieren, wird Energie in Form von Licht freigesetzt. Die verschiedenen Farben der Polarlichter entstehen durch die unterschiedlichen Gase in der Atmosphäre. Sauerstoff produziert zum Beispiel grünes und rotes Licht, während Stickstoff blaues und violettes Licht erzeugt.

Wie lange wird diese erhöhte Aktivität der Sonne noch anhalten?

Bomans: Der Sonnenzyklus ist etwa 11 Jahre lang, und wir befinden uns derzeit in der Phase des Maximums, also der höchsten Aktivität. Diese Phase kann einige Jahre andauern, wobei die genaue Intensität von Zyklus zu Zyklus variiert. In den kommenden Monaten können wir also weiterhin mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit für Polarlichter rechnen, auch in tieferen Breitengraden.

Gibt es Tipps, wie man Polarlichter am besten beobachten kann?

Bomans: Um Polarlichter optimal zu beobachten, sollte man einen Ort mit möglichst wenig Lichtverschmutzung aufsuchen, also weit weg von Städten und Straßenlaternen. Klarer Himmel und eine sternenreiche Nacht sind ebenfalls wichtig. Man sollte geduldig sein und den Blick nach Norden richten, da Polarlichter meist in dieser Richtung sichtbar sind. Es kann auch hilfreich sein, eine Kamera mit langer Belichtungszeit zu verwenden, um die Lichter besser einzufangen.

Videotipp -Prof. Bomans erklärt Polarlichter im Interview mit Sat-1:

Prof. Bomans im Interview

Beitragsbild: Polarlicht © Patrick von der Wehd auf Unsplash

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